Kompetenztraining für Eltern sozial auffälliger Kinder

KES

Zielgruppe

Das Training richtet sich an Eltern (Mütter, Väter) von sozial auffälligen Kindern (z.B. hyperkinetische Störung, oppositionelles Trotzverhalten, Störung des Sozialverhaltens oder einer subklinischen Erscheinungsweise davon). Es kann begleitend zu anderen Interventionen (z.B. medikamentöse Behandlung des Kindes, Hilfe zur Erziehung, Intervention im Kindergarten oder Schule etc.) durchgeführt werden.

Neben einer ausreichenden Motivation und guten Deutschkenntnissen sollten die Eltern für ein verhaltensorientiertes Vorgehen (Rollenspiele, „Hausaufgaben“) offen sein.

Inhalte und Ziele

Den Eltern sollen möglichst unmittelbar nutzbare Erziehungsfertigkeiten vermittelt werden, die das Zusammenleben mit ihren Kindern verbessern.

Sie sollen lernen schwierigen Erziehungssituationen vorbereitet und nicht reaktiv entgegenzutreten. Bedeutsam ist hierbei, dass die familiären Abläufe und Umgangsformen so verändert werden sollen, dass sie den Verhaltensmöglichkeiten des Kindes besser gerecht werden. Die ungünstige Eltern-Kind-Interaktion sollte von einer unterstützenden Beziehung abgelöst werden, die es den Eltern ermöglicht, prosoziales und angemessenes Verhalten beim Kind zu verstärken und die bisher erlebten eskalierenden Interaktionsverläufe zu beenden.

Das Aufstellen klarer Regeln und Forderungen, sowie die Fähigkeit der Regulation eigener (elterlicher) Emotionen sind ein weiterer wichtiger Aspekt für den gelingenden Umgang mit ihren Kinder.

 

Konkrete Ziele für das Training sind:

  • Herausfinden von den spezifischen Schwierigkeiten in ihrer Familie / Änderungswünsche
  • Anbahnung einer positiven Eltern-Kind-Interaktion, positive Sicht auf das Kind
  • Erlernen, die schwierigen familiären Standardsituationen (z.B. Probleme beim zu-Bett-gehen) günstiger zu lösen, bzw. zu vermeiden.
  • Erlernen das Kind positiv anzuleiten
  • Reduktion der Belastung in der Familie durch Veränderung des Erziehungsverhaltens
  • Familiäre Neustrukturierung auf längere Sicht, um das Stressniveau in der Familie zu verringern (z.B. neue Aufgabenverteilung / Zuständigkeiten)

Zusammensetzung

Das Training richtet sich sowohl an allein erziehende Eltern als auch an Elternpaare. Die Gruppenzusammensetzung sollte eine Mischung aus beiden Erziehungsformen sein.

Alter

Eltern von Kindern im Alter von 5 – 12 Jahren

Gruppengröße

8 – 12 Teilnehmer.

Beide Eltern müssen nicht gleichzeitig anwesend sein, die regelmäßige Teilnahme eines Elternteils reicht aus. Am Abschlusstermin sollte das „fehlende Elternteil“ aber unbedingt teilnehmen.

Dauer

6 Veranstaltungen von jeweils 180 Minuten (30 Min Pause) im wöchentlichen Abstand. Eine abschließende 7. Auffrischungssitzung findet 4-6 Wochen nach dem Veranstaltungsblock statt. Das gesamte Training erstreckt sich somit über einen Zeitraum von insgesamt 9 – 11 Wochen.

Ablauf des Trainings

In einem Vorgespräch werden die Eltern über das Training und über das was von ihnen dabei erwartet wird informiert. Anschließend wird mit ihnen ein Gespräch über ihre Sicht zum Problemverhalten und Ansatzpunkten zur Verbesserung geführt, um zu ermitteln, ob sie sich einen Nutzen von dem Training versprechen und damit ausreichend motiviert sind. Falls auf eine geringe Teilnahmebereitschaft geschlossen werden kann, sollte ihnen eine andere Maßnahme empfohlen werden.

 

Jede Trainingseinheit steht unter einem eindeutigen Thema und ist nach einem einheitlichen Schema aufgebaut:

  1. Bekanntgabe der Tagesordnung (u.a. Thema)
  2. Auswertung der Wochenaufgabe (therapeutische Hausaufgabe)
  3. Inhaltsspezifische Bausteine und Übungen zum jeweiligen Schwerpunkt der Trainingseinheit (siehe Methoden)
  4. „Eigene Stärken finden“ um eine lösungsorientierte und zuversichtliche Haltung anzuregen
  5. Vorgabe und Besprechung der Wochenaufgabe für die kommende Woche

 

Thematische Zuordnung der einzelnen Einheiten:

  1. Vorstellung und Kennenlernen:
    Was soll sich ändern? Was kann so bleiben?
    (Zielvorstellungen entwickeln / Problemlösungen suchen)
  2. Eine emotionale Basis haben – positive Spielzeit
    (Positive Beziehung fördern)
  3. Eigene Gefühle und Gedanken wahrnehmen
    (Emotionsregulierung / Deeskalation)
  4. Abläufe (der belastenden Standardsituationen) ändern
    (Klare Ziele verfolgen / Verstärkung von prosozialem Verhalten)
  5. Durch Konsequenzen anleiten
    (Verstärkung von prosozialem Verhalten, die Verstärkerfalle vermeiden)
  6. Effektive Aufforderungen stellen
    (Klare Regeln haben und Aufforderungen stellen können)
  7. Auffrischungssitzung:
    Ein Blick zurück – auf dem Weg nach vorn
    (Problemlösendes Verhalten und Strukturierung in der Familie – Erfahrungsaustausch / Erreichtes und noch Offenes)

Umsetzung und Methoden

Das Training beruht auf lern- und handlungstheoretischen Prinzipien.

 

Eingesetzt werden Methoden:

  • der Kognitiven Verhaltenstherapie wie Eingrenzung und Differenzierung der Probleme und Formulierung des Trainingsziels
  • der Erwachsenenbildung (z.B. Gruppendiskussion, Kurzvorträge, Hand-Outs)
  • aus dem Gruppentraining (z.B. Rollenspiel, Kleingruppenarbeit, Präsentation in der Gesamtgruppe, Lösungssuche in der Elterngruppe)
  • der Verhaltenstherapie (z.B. therapeutische Hausaufgaben, Durchführung von Verhaltensbeobachtungen, operante Verstärkung)

 

Diese Vorgehensweisen setzen die aktive Mitarbeit der Eltern voraus. Zur Unterstützung werden wechselnde Arbeitsmethoden eingesetzt, dem Gespräch in der Elterngruppe Raum gegeben und ein lösungsorientiertes Vorgehen verfolgt.

Das Trainerpaar begleitet die Gruppe mit klar zugeordneten Aufgaben (Leitung Gruppendiskussion / Referat / Protokoll etc.), strukturiert die Beiträge und sorgt für eine ausgewogene Mitarbeit der Eltern.

Trainingsbegleitend füllen die Eltern vier Fragebögen aus, mit denen das Training evaluiert wird („Belastende Situationen in der Familie“/ „Parenting Stress Index“ (PSI)/„Verhaltensmerkmale der Aufmerksamkeitsdefizitstörung und Hyperaktivitätsstörung“ / „Verhaltensmerkmale zur Störung des Sozialverhaltens“)

Räumlichkeiten und Ausstattung

Das Kompetenztraining findet in den Räumlichkeiten der Praxis Erziehungshilfe statt. Zusätzlich zu dem Gruppenraum stehen weitere Beratungszimmer für Einzel- und Kleingruppenarbeit zur Verfügung.

Für die Präsentation und allgemeine Erläuterungen stehen Computer und Beamer zur Verfügung.

Kosten

Für das Kompetenztraining entstehen die Kosten pro Elternpaar. Für Alleinerziehende wird der gleiche Betrag erhoben. Die Kosten orientieren sich an den individuellen Leistungsentgelt-vereinbarungen mit dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe In dem Betrag enthalten sind die konkrete Durchführung des Trainings, die vorangehende Diagnostik, das Aufnahmegespräch und möglicherweise notwendige Vorgespräch mit anderen Fachkräften.

Für die Diagnostik und das Aufnahmegespräch wird eine Kostenpauschale erhoben, wenn die Eltern noch nicht geeignet scheinen an dem Training teilzunehmen und eher andere Maßnahmen sinnvoll sind.

Ansprechpartner

Durchgeführt wird das Training von einer pädagogischen Fachkraft (Diplom-Sozialpädagogen/-in, Diplom-Sozialarbeiter/-in o.ä.) und einer/einem Diplom-Psychologen/-in, wobei das mit dem Gruppentraining vertraute Team sich bevorzugterweise aus einem Mann und einer Frau zusammensetzt.

Petra Albrecht
Petra Albrecht
Diplom-Sozialpädagogin
0176 / 81716692
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